Schadstoff Messungen

Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau 27.4.2005

Ins Flughafenumland gehören Messstationen für Luftschadstoffe

Der Neu-Isenburger Herbert Drouin, promovierter Chemiker und habilitierter Physiologe, weist auf die Gefahren der Luftverschmutzung hin. Er berät die Stadt im Konflikt um die Airporterweiterung.

[stextbox id=“black“ float=“true“ width=“350″ color=“000000″ bgcolor=“a5d6fd“]Der Verkehr und die Folgen
Feinstaub. Lärm, verstopfte Straßen? Alles Hysterie oder droht der Verkehrsinfarkt?  Durch Neu-Isenburg fließt nicht nur starker Durchgangsverkehr, das Stadtgebiet liegt außerdem noch zwischen den Autobahnen A 3, A 5 und A 661.
Und der Norden und der Westen ist von negativen Auswirkungen des Flugverkehrs am Airport betroffen.[/stextbox]

Außer von Essen und Trinken leben wir von sauberer Luft, das heißt – eigentlich nur von den 21 Prozent Sauerstoff neben den etwa 78 Prozent Stickstoff, den beiden Hauptbestandteilen der uns umgebenden Erdatmosphäre. Werden Kohlenwasserstoffe wie, Benzin, Kerosin oder Dieselkraftstoff verbrannt, dann würden bei vollständiger Verbrennung mit dem Sauerstoff der Luft im Idealfall im Wesentlichen nur Kohlendioxid
und Wasser entstehen. Leider sind die realen Verbrennungsvorgänge unvollständig.

Es entstehen das giftige Kohlenmonoxid, das, wenn eingeatmet, Sauerstoff aus dem Blut verdrängt und so zum Tode führen kann, und Kohlenstoff, das heißt: Ruß. Außerdem reagiert bei den hohen Temperaturen der Verbrennungsprozesse der Sauerstoff mit dem Stickstoff der Luft zu Stickstoffoxiden. So enthalten die Abgase der Dieselmotoren mehr Stickstoffoxide und bis zu hundertmal mehr Rußpartikel als die durch Katalysatoren gereinigten Abgase von Ottomotoren.

Stickstoffoxide und Rußpartikel tragen wesentlich zur Luftverschmutzung bei. Daher wurden zur Luftreinhaltung und damit zum Schutz der menschlichen Gesundheit Grenzwerte beziehungsweise Zielwerte für Schadstoffe vorgegeben. So betreffen die akuten Wirkungen des Stickstoff-Dioxids vor allem Personen mit Vorerkrankungen wie Asthma, Bronchitis oder Herz-Kreislauferkrankungen. Bei längerer Einwirkung von Stickstoffdioxid entstehen chronische Atemwegsbeschwerden, Beeinträchtigungen der Lungenfunktion und die Sterblichkeit durch Lungenkrebs ist erhöht.

Ruß aus Verbrennungsprozessen, aber auch Partikel, die durch Abrieb von Reifen, Straßenbelag und durch Aufwirbeln von Staub freigesetzt werden, können in der Atmosphäre weit transportiert werden. Aus vielen Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaubbelastungen geht hervor, dass Anstiege der Tagesmittelwerte der eingeatmeten Partikel mit erhöhter Erkrankungshäufigkeit und Sterblivhkeit einhergehen.

Im Bereich und in dem Umland des Flughafens Frankfurt Main sind insbesondere Immissionen von Stickstoffoxiden und Ruß wirksam. Wie aus den Unterlagen zu dem
Planfeststellungsverfahren „Ausbau Flughafen Frankfurt Main“ zu ersehen ist, weisen
die Darstellungen der Immissionsfelder aus, dass die von Flugverkehr und Flughafenbetrieb ausgehenden Emissionen sich immissionsseitig besonders in, der Flughafenumgebung auswirken. Zusammen mit dem Kfz-Verkehr im Umland treten Grenzwertüberschreitungen für Stickstoffdioxid-Immissionen auf, und zwar im gesamten
Stadtgebiet von Frankfurt, in Teilen der Kommune Offenbach, Niederursel, Eschborn, Neu-Isenburg, Rüsselsheim et cetera mit Maximalwerten im Bereich des Flughafens. Ebenfalls werden Zielwerte von Ruß-Immissionen überschritten. und zwar im gesamten Stadtgebiet von Frankfurt, Offenbach, Neu-Isenburg, Rüsselsheim et cetera.

Die Flächen mit den höchsten Zielwertüberschreitungen umfassen den Flughafen und markieren den Verlauf der Autobahnen aber auch Teile der Gemeinden Kelsterbach und Schwanheim. EU-weites und nationales Recht fordern entsprechend der Definition der Kurzzeitkenngrößen für Stickstoffdioxid und Feinstaub-Partikel strikt punktbezogene Immissionsbewertungen.

Daher muss dringend gefordert werden, dass im bewohnten Umland des Flughafens
Frankfurt – und somit auch in Neu-Isenburg – hinreichend Messstationen für Luftschadstoffe errichtet werden, um die Menschen vor teuren Krankheiten, Siechtum und vorzeitigem Tod durch Luftschadstoffe zu bewahren.

von Herbert Drouin

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HINTERGRUND

Isenburg will Fakten

Die Stadt Neu-Isenburg will beim Luftreinhalteplan für das Rhein-Main-Gebiet nicht im Abseits stehen, „da“, wie Erster Stadtrat Herbert Hunkel (parteilos) sagt, „die Schadstoff- und Luftbewegungen nicht an Stadtgrenzen festgemacht werden können – insbesonders wenn keine Daten vorliegen“. Für Frankfurt soll’s in Bälde einen dreistufigen Aktionsplan für den Fall geben, dass Grenzwerte überschritten werden. Die Rede ist etwa von Tempolimits auf Autobahnen und Durchfahrtsverboten für Lastwagen auf der dicht befahrenen Friedberger
Landstraße, wo die Messstation installiert ist.
Nach Ansicht der Stadt Neu-Isenburg kann das Auswirkungen auf die Verkehrsführung in den angrenzenden Kommunen haben. Außerdem reiche die Frankfurter Messstelle nicht aus, um etwa Rückschlüsse auf die Situation in Isenburg ziehen zu können. Isenburg müsse eigene Daten bekommen. Die örtliche SPD beantragte vier Stationen für die City und Zeppelinheim und Gravenbruch. Das
hält das Umweltministerium für unrealistisch und unbezahlbar. Im Übrigen sei davon auszugehen, dass die Isenburger Luft okay sei und Grenzwerte nicht überschritten würden.
Der Magistrat, der das bezweifelt, will sich nun um eine mobile Messstation kümmern, befristet auf ein Jahr.
So sollen Fakten her, um nachzuweisen, wie hoch die Belastung tatsächlich ist. Neu-Isenburg – umgeben von Autobahnen – liegt an der Ein- und Abflugschneise des Airports. Außerdem
führen Pendlersträme quer durch die Stadt. Die Carl-Ulrich-Straße ist für den Lkw-Durchgangsverkehr tabu.
Die Umgehung führt über die Siemens- und Rathenaustraße – einer kleinen Südumgehung.

von Martin Feldmann

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