Nachtflugverbot

Zur Geschichte

Die Forderung der Anwohner des Frankfurter Flughafens nach einem Nachtflugverbot in der gesetzlichen Nacht (22 bis 6 Uhr) ist alt. Ganz im Gegensatz zu diesen berechtigten Forderungen hatte die Zahl der Nachtflüge insbesondere seit den 90er Jahren stetig zugenommen.
Seit dem 30. Oktober 2011 herrscht nun zumindest zwischen 23 und 5 Uhr weitgehend Ruhe – zumindest in der Theorie. Aber zunächst ein Blick darauf, wie es dazu kam.

Mediation. Kurz nachdem im November 1997 der damalige Lufthansa-Chef Weber den Ausbau des Frankfurter Flughafens gefordert hatte, begann die sogenannte Mediation. Dies ist ein Verfahren, das grundsätzlich der Beilegung von Konflikten dienen soll. Die Mediation zum Flughafenausbau empfahl im Jahr 2000 schließlich ein Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr. Dieser Zeitraum wird daher auch als „Mediationsnacht“ bezeichnet.

Im Zuge der weiteren Ausbauplanung beantragte Fraport schließlich den Flughafenausbau mit einem Nachtflugverbot in dieser „Mediationsnacht“ von 23 – 5 Uhr. Dieses 6-stündige Nachtflugverbot wurde während des gesamten Ausbauverfahrens den Bürgern immer wieder versprochen. Vor allem der damalige Ministerpräsident Roland Koch erklärte mehrfach, dass es „den Flughafenausbau nur mit Nachtflugverbot und ein Nachtflugverbot nur mit dem Ausbau“ geben werde.

Planfeststellungsbeschluss. Am 18.12.2007 erging schließlich der Planfeststellungsbeschluss des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (HMWL), mit dem der Weg für den Bau der Nordwestbahn frei gemacht wurde. In diesem Beschluss wurden nun allerdings nun doch 17 Flüge zwischen 23 und 5 Uhr genehmigt. Dies war ein klarer Bruch der in den Jahren zuvor von der Landesregierung immer wieder gegebenen Versprechen.

Gerichtliche Klärung. Die 17 planmäßigen Nachtflüge aus dem Planfeststellungsbeschluss wurden vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel in seinem Urteil vom 21. August 2009 verworfen. Da jedoch die Landesregierung gegen dieses Urteil Berufung einlegte (gegen ihre eigenen, jahrelangen Versprechen!!), blieben der Planfeststellungsbeschluss und damit die 17 Nachtflüge zunächst gültig. Das heißt, dass diese Regelung ab Eröffnung der neuen Landebahn gegolten hätte. Bis dahin wurde ohnehin nahezu unbeschränkt nachts geflogen.

Erst im Oktober 2011, wenige Tage vor Eröffnung der neuen Landebahn, verfügte das Kasseler Gericht überraschend ein vorläufiges Flugverbot zwischen 23 und 5 Uhr. Dieses Urteil wurde durch die Klagen von Anwohnern erreicht.

Das Flugverbot von 23 bis 5 Uhr galt somit seit Beginn des Winterflugplanes am 30. Oktober 2011 zunächst bis zur endgültigen Entscheidung des Rechtsstreits durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im April 2012. Dieses Gericht wiederum hat das Nachtflugverbot endgültig bestätigt. Im August 2012 verzichtete die Lufthansa endgültig auf weitere gerichtliche Schritte.

Umsetzung

Durch das Nachtflugverbot gibt es im Flugplan keine planmäßigen Flüge zwischen 23 und 5 Uhr. Allerdings gibt es eine Reihe von Ausnahmen.

Über alle Flüge zwischen 23 und 5 Uhr und die Gründe für deren Genehmigung gibt eine Webseite des Hessischen Verkehrsministeriums Auskunft:

„Verspätete Starts und Landungen“

Einen vollständigen Überblick über alle Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen und insbesondere die Nachtflüge gibt auch die Webseite des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD):

„Flugbewegungen Region Frankfurt“
(auf der Webseite: auf der Deutschlandkarte Region Frankfurt auswählen)

Verspätungen

Ausnahmen gibt es z. B. für Verspätungen. So legt der Planfeststellungsbeschluss fest, dass zwischen 23:00 und 0:00 Uhr sowohl für verspätete Starts als auch für Landungen Ausnahmen möglich sind. Verfrühte Landungen vor 5:00 Uhr sind dagegen ausgeschlossen.
Eine Ausnahmegenehmigung ist dann möglich, wenn der Grund der Verspätung „außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft“ liegt. Das Hessische Verkehrsministerium entscheidet im Einzelfall über die jeweilige Genehmigung.
Zu den Gründen gehören wetterbedingte Einflüsse.

  • Bei starkem Nordwind kann die Startbahn West nur eingeschränkt benutzt werden oder muss komplett geschlossen werden. Das heißt, dass die Starts dann auf die übrigen Bahnen verteilt werden müssen. Die Kapazitäten werden dann knapp und die Flüge werden auch auf die Zeit nach 23 Uhr verlagert
  • Bei Gewittern kommt es mitunter zur Einschränkung oder Einstellung des Flugbetriebs. Die Flüge werden dann ebenfalls in der Stunde von 23:00 bis 0:00 Uhr nachgeholt.

Während die Sperrungen der Startbahn West wegen starker Winde im Winterhalbjahr häufiger sind, gibt es Gewitter bekanntlich eher im Sommerhalbjahr.

Erfahrungen mit dem Nachtflugverbot 2012. So kam es z. B. am Abend des 7. Februar 2012 zu 26 Starts zwischen 23 und 0 Uhr, weil die Startbahn West wegen starker Nordwinde zuvor für viele Stunden gesperrt werden musste.

Am Abend des 19. Mai 2012 gab es 5 Landungen und 49 Starts zwischen 23 und 0 Uhr, also insgesamt 54 Flugbewegungen. Am 11. Mai 2012waren es sogar 16 Landungen und 42 Starts (also 58 Flüge) in dem Zeitraum, in dem eigentlich das Nachtflugverbot gelten sollte. Es gab also praktisch in jeder Minute zwischen 23 und 0 Uhr einen Flug! Der angegebene Grund für diese Ausnahmen waren jeweils Gewitterschauer.

Über solche besonderen Ereignisse hinaus gibt es fast jeden Tag verspätete Landungen, deren Gründe für den Bürger kaum nachvollziehbar sind: War es ein Gewitter in Antalya, ein Stromausfall in Palma, ein Streik auf Lanzarote? Wer weiß es.

Auch werden auf der Webseite des HMWVL immer wieder „lange Rollzeiten“ als Gründe für Nachtflüge genannt. Hier wundert man sich, dass dies Ausnahmegründe sein sollen. Denn dass der Weg zwischen Terminal und z. B. der Startbahn West lang ist und damit auch die „Rollzeit“ des Fluggeräts, ist ja nun keine Überraschung.

Fakt ist jedenfalls, dass sowohl im Mai als auch im Juni 2012 nur jeweils 3 Nächte ohne jede Flugbewegung geblieben sind – das heißt nur in 10 % der 31 bzw. 30 Nächten dieser Monate war es tatsächlich zwischen 23 und 5 Uhr vollkommen ruhig aus der Luft.

Wenn auch Ausnahmegenehmigungen offensichtlich recht großzügig erteilt werden, so kam es doch immer wieder vor, dass Maschinen, die sich bereits auf dem Weg zur Startbahn befanden, keine Ausnahmegenehmigung bekamen und wieder umkehren mussten. Daher versuchte die Lufthansa im Sommer 2012 massiv, zu einer Aufweichung der Ausnahmegenehmigungen zu kommen.

Die Bürgerinitiativen fordern dagegen, die Ausnahmegenehmigungen wesentlich restriktiver zu handhaben. Der Flugbetrieb muss bereits in den Abendstunden frühzeitig zurückgefahren werden, so dass genügend Kapazität vorhanden ist, um witterungsbedingte Verzögerungen noch vor 23 Uhr aufzuholen. Damit würde auch der Forderung des Bundesverwaltungsgerichtes, der Flugbetrieb müsse zur Nachtzeit hin abschwellen, Genüge getan.

Generell sind jedoch 6 Stunden Nachtruhe für die Anwohner des Frankfurter Flughafens zu wenig. Wir fordern auch weiterhin ein Nachtflugverbot für die gesetzliche Nacht von 22 bis 6 Uhr, ohne Ausnahmen.

Sondergenehmigungen

Medizinische Hilfsflüge. Über die Stunde zwischen 23 und 0 Uhr hinaus gibt es weitere Sondergenehmigungen, die auch zwischen 0 und 5 Uhr erteilt werden. Hierzu gehören medizinische Hilfsflüge. Natürlich wird niemand einer Maschine mit einem schwer erkrankten Passagier die Landung in Frankfurt auch zur Nachtzeit verwehren. Es erstaunt aber schon, dass es allein im Juli und August 2012 insgesamt 10 nächtliche Flüge mit dieser Begründung gab.

Vermessungsflüge. Auch Vermessungsflüge finden mitten in der Nacht statt. Auch hier verwundert es etwas, dass die Start- und Landebahnen offenbar ständig neu vermessen werden müssen.

Weitere Maßnahmen zur Verlängerung der Nachtruhe

DROPS:
Als eine der Maßnahmen des aktiven Schallschutzes wurde im Januar 2011 „DROPS“ eingerichtet. DROPS bedeutet „Dedicated Runway Operating System“ und heißt nichts anderes als, dass zu bestimmten Zeiten nur bestimmte Bahnen des Flughafens genutzt werden, um den Anliegern der anderen Bahnen Ruhepausen zu verschaffen. Das bedeutet aber natürlich, dass dann andere Betroffene stärker belastet werden.

DROPS begann als nächtlicher Modellversuch zwischen 23 und 5 Uhr und zwar an allen „ungeraden Tagen“. Das bedeutete, dass z. B. in der Nacht vom 3. (ungerades Datum) auf den 4. eines Monats DROPS geflogen wurde, in der Nacht vom 4. (gerades Datum) auf den 5. aber nicht.

Durch das Nachtflugverbot sollten nun im Zeitraum zwischen 23 und 5 Uhr ohnehin keine planmäßigen Flugbewegungen stattfinden. Daher wurde im Sommer 2012 ein erneuter Versuch mit dem Zeitraum zwischen 5 und 6 Uhr am Morgen an „ungeraden“ Tagen, also z. B. am Morgen des 5. gestartet.

Je nach Windrichtung  profitieren unterschiedliche Gemeinden von DROPS:

Bei „Westbetrieb“ sind es die Anlieger der Startbahn West, also Mörfelden-Walldorf, Weiterstadt oder Büttelborn. Die Startbahn West wird dann zwischen 5 und 6 Uhr nicht genutzt, alle Flüge starten von der sog. „Centerbahn“ nach Westen.

Bei Ostbetrieb sollen die Flüge zwischen 5 und 6 Uhr dagegen komplett über die Startbahn West abgewickelt werden. Dafür liegt die „Centerbahn“ still, wovon der Frankfurter Süden, Neu-Isenburg und Offenbach profitieren. Allerdings gibt es hier wiederum das Problem des Rückenwinds bei der Startbahn West. Denn bereits ab einem relativ schwachen Nordostwind kann die Startbahn West von bestimmten Flugzeugtypen nicht mehr genutzt werden. Diese Maschinen starten dann doch über die Centerbahn. Diese Besonderheit hat dazu geführt, dass „DROPS“ bei Ostbetrieb seit Januar 2011 nur an wenigen Tagen tatsächlich eine Entlastung für die östlichen Flughafenanlieger gebracht hat.

Bei Westbetrieb dagegen hat DROPS durchaus für eine Entlastung der Anlieger der Startbahn West gesorgt und die Nachtruhe wenigstens bis 6 Uhr gesichert. Dafür wurden in dieser Stunde allerdings Raunheim, Rüsselsheim und Nauheim stärker vom Lärm belastet.
Über DROPS informiert die Webseite des Umwelthauses in Kelsterbach:
http://www.forum-flughafen-region.de/monitoring/fluglaerm-monitoring/drops/

Auswirkungen von Bauarbeiten:

An den Start- und Landebahnen des Flughafens werden permanent Wartungsarbeiten durchgeführt. Diese führen dann dazu, dass Bahnen zu bestimmten Zeiten (fast ausschließlich nachts) komplett gesperrt werden.
Über solche Sperrungen informiert eine Webseite der Fraport:
http://www.fraport.de/content/fraport-ag/de/infoservice_fluglaerm/aktuelles/inhalte/sperrungen.html

Im Jahr 2012 werden besonders umfangreiche Bauarbeiten an der Südbahn sowie an der Startbahn West durchgeführt. Dadurch wird in diesem Jahr die Südbahn häufig zwischen 21 und 5 Uhr gesperrt und sämtliche Landungen werden über die Centerbahn oder die Nordwestbahn abgewickelt.

Die Startbahn West dagegen ist aufgrund der Bauarbeiten häufig zwischen 23 und 6:30 Uhr gesperrt. In dieser Zeit finden alle Starts über die Centerbahn oder die Südbahn statt. Auch hierüber informiert die Webseite der Fraport:

/aktuelles/inhalte/zeitweise-sperrungen-der-suedbahn-und-startbahn-18-durch-baumass.html